Foto von  © Gerhard Kassner

 

Erik Spiekermann ist einer der bekanntesten Namen in der deutschen Designszene, aber darüber hinaus auch weltweit bekannt und geschätzt (seine Agentur MetaDesign plus hat Büros in London, Zürich, Berlin und San Francisco).

Der 1947 geborene Spiekermann ist Typograf, ein Typomaniac, wie er sich selbst nennt, Designer, Mitgründer des FontShop (mit Neville Brody), Autor und Honorarprofessor an der Hochschule für Künste Bremen.

Eigentlich wollte er Kunsthistoriker werden, fand es aber dann doch dermaßen langweilig, dass er sich entschied, etwas mit seiner Leidenschaft für Buchstaben zu machen. Nach Abbruch des Studiums zog er nach London und arbeitete als Lehrer und Berater für große Design-Unternehmen.

Wenn er Leute anstellt, fragt er nie nach Zeugnissen, weil er „ja selber keine habe“ (Interview mit der Deutschen Welle).
Er entwickelte die Schriften ITC OFFICINA SERIF, FF META und die BERLINER GROTESK BQ. Von sich selbst sagt Spiekermann, dass er ein rationaler Chaot sei; „Ich bin immer pünktlich, aber komme manchmal Jahre zu spät. Im Großen bin ich ein unglaublicher Chaot und wenn´s aufs Detail geht, dann mache ich alle Leute wahnsinnig.“

Spiekermann ist verrückt nach Schrift, sein Lieblingsbuchstabe ist das kleine a. Die Rotis würde er für seinen Grabstein nehmen (als letzter Witz, wie er sagte, weil er sie anscheinend nicht mag).

Seit 1985 arbeitet er am Bildschirm, damals am seinem ersten Mac. Schon in der Schule interessierte er sich für Druck- und Setzeraufgaben, im Studium hatte er bereits Frau und Kind und musste demnach arbeiten – als Drucker, Lastwagenfahrer oder mal als Bassspieler in diversen Bars.

Er mag das analoge Arbeiten aber ebenso wie das digitale. Als Setzer und Drucker war er immer ganz nah an der Produktion, was ihm gefällt.

Es gibt noch viel zu gestalten, findet Erik Spiekermann. Formulare, Straßenschilder, ja sogar Wahlzettel sind oft unübersichtlich und verwirrend. Bei der Arbeit für die damals sogenannte Bundespost in den 80er Jahren stieß er auf teilweise unverständliche Inhalte. „Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wie man es neu gestaltet, muss man es umformulieren. Man merkt nämlich, dass man die Sprache nicht versteht. Und dann nützt es nichts, wenn man es in einer schicken, neuen Schrift macht und es von mir aus fünffarbig druckt, man muss es neu formulieren und wenn man von außen kommt und die richtigen Fragen stellt, dann haben viele der Formularverursacher keine Antwort. Und wenn ich dann sage, warum wollt ihr das denn wissen? Ähh…und dann fragen die untereinander und dann weiß es keiner mehr.“

Nachdem er unter anderem die Schrift der Deutschen Bahn, sowie das Leitsystem des Berliner Verkehrsverbundes entwickelte und die Zeitschrift The Economist neu gestaltete, hätte er große Lust, das System der deutschen Autobahn zu überarbeiten, als Projekt fürs Alter, wie er sagt.

Erik Spiekermann ist ein Selfmade-Man, einer, der sich selbst beigebracht hat, was er kann. Er liebt, was er tut und ist ebenso genau wie versiert auf seinem Gebiet. Ein Mensch, der eine Menge macht und damit erfolgreich ist und trotzdem bodenständig erscheint.

 

Foto von  © Gerhard Kassner