In unserer neu gestarteten Reihe Praxisnähe widmen wir uns heute der Kommunikation mit dem Kunden als ein Teil des Designprozesses am Beispiel eines Logo-Designs/Redesign.

Ganz gleich ob Website, Briefpapier, Animationsfilm oder Logo, Gestaltung kann und sollte nicht in einem Arbeitsschritt passieren. Gutes Design ist ohne Feedback undenkbar und Entwicklungsphasen sollten im Designprozess nicht gemieden werden. Vielmehr machen eben die Entwicklungsphasen einen Designprozess aus. 

 

Kein Dialog, kein gutes Design

In Zeiten von so genannten Design-Plattformen wie z.B. designenlassen oder etwa twago und 12designer, wo eine oftmals unbegrenzte Zahl von Designern in einen harten Konkurrenzkampf um einen einzigen und meist noch sehr mässig bezahlten Auftrag treten, kann und wird Design eben nicht als Entwicklung und Prozess aufgefasst. Wie denn auch?! Der Auftraggeber bekommt auf sein Briefing hin in der Regel von diversen Designern/Teilnehmern Entwürfe geliefert. Hierbei handelt es sich um ausgearbeitete, um als fertig verstandene Entwürfe. Der Auftraggeber hat den seltsamen und weltfremden Anspruch, sein gewünschtes Design wie eine x-beliebig Ware vom Wühltisch einzukaufen. Aus allen abgegebenen Entwürfen wählt er sein Logo oder das Design für seine Website. Qualität und individuell auf Kundenwünsche abgestimmte Gestaltung funktioniert so aber nicht. Meist wissen die Designer das auch. Dennoch begeben sie sich einerseits in diese Abwärtsspirale des Dumpingpreis-Milieus, anderseits macht die Erscheinung solcher Designplattformen die Situation der Marktpreise stetig schwieriger. Zudem werden so Begriff und Vorstellungen von Design verwässert.

Unter den Arbeitsbedingungen, wie sie auf designenlassen und Co vorherrschen, wird seitens der Designer und jener, die sich als solche verstehen, ungern am einmal hochgeladenen Entwurf nachgebessert – der Auftraggeber soll den Entwurf abnehmen, wie er ist. Und schlimmer noch: bei diesem Wühltisch-Design geht es gar nicht darum, dass ein Designprodukt entwickelt und im ständigen Dialog mit dem Kunden perfektioniert werden soll. Auftraggeber, etwa auf designenlassen, schreiben zwar einer wie der andere in ihre Briefings, dass sie das perfekte Corporate Design und das genialste Logo erwarten. Dabei ist die Vorstellung absurd, man könnte unter hunderten Entwürfen „das geniale Logo“ einfach so herauspicken, ohne jemals in einen wirklichen Kommunikationsprozess mit dem Designer eingestiegen zu sein. Gutes Design braucht Kommunikation und demnach ein wenig Zeit für ordentliche Entwicklungsphasen, in denen nicht nur „mal eben schnell“ ein Farbwert ausgetauscht wird.

 

Der Designprozess

Am Beispiel eines Redesigns für das Logo unseres Kunden Tali (Versandspezialist für Kulinarisches und persische Spezialitäten) im Rahmen eines Stück für Stück neu entstehenden Corporate Designs, soll hier veranschaulicht werden, wie ein Designprozess verlaufen kann, so dass am Ende Auftraggeber und Designer gleichermaßen zufrieden sind und hinter dem Produkt, hinter dem neuen Logo stehen.

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links: bisheriges Logo / rechts: Abschluss der ersten Entwurfsphase

Die Abbildung links zeigt das bisherige Logo unseres Kunden. 

Ende November letzten Jahres erhielten wir den Auftrag, ein neues Logo zu entwerfen.  Das Element der Sonne sollte bleiben und u.a. sollte weiterhin der Eindruck von Natur/Natürlichkeit vermittelt werden. 

Wie üblich bei uns, wurden nach der ersten Entwurfrunde dem Kunden drei verschiedene und nicht bis ins Detail ausgearbeitete Entwürfe vorgelegt. Auf diese Weise finden wir die Vorstellungen des Kunden zügig heraus. Die Abbildung rechts zeigt den Entwurf, für den sich unser Kunde entschieden hat. In einem Feedbackgespräch wurde herausgehört und herausgefunden, was es im Rahmen des Logo-Designs noch zu tun gab. Alle anderen Entwürfe, die vorgelegt wurden, gelten von nun an als verworfen.

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Designprozess: zweite Entwicklungsstufe / Redesign eines Logos

Ausgangspunkt der zweite Entwurfsrunde war Anfang Dezember im letzen Jahr also die Abbildung links. Nach einigen Tagen waren  Anpassungen und ein Feinschliff vorgenommen (Abbildung rechts). An den Farben wurde etwas nachgebessert, Kontraste erhöht, die Schrift verändert und Formen und Elemente optimiert. 

Der Kunde war zufrieden. Im zweiten Feedbackgespräch hieß es: „Das ist es!“. Doch irgendwas war noch. „Es fehlt noch irgendwas“. In einem weiteren Gespräch wurde deutlich was es ist. Ein Gewächs, eine Pflanze, irgendetwas, dass Wachstum repräsentiert, das wollte unser Kunden noch im neuen Logo haben. Im Laufe der ersten beiden Entwurfsrunden hatte sich unserem Kunden nämlich verdeutlicht, dass zwar in anderer Form, aber dennoch weitere Elemente aus dem alten Logo wieder aufgenommen werden sollten. Ohne die ausführlichen Feedbackgespräche wäre unserem Auftraggeber nicht klar geworden, was ihm noch fehlte. Wenn dann an so einer Stelle ein Designprodukt dennoch und ohne weitere Entwicklung abgenommen wird, dauert es meist nicht lange, dass beim Kunden Unzufriedenheiten und Unsicherheiten entstehen. Das neu gestaltete Produkt wird in solchen Fällen dann zögerlich eingesetzt und mit wenig Selbstbewusstsein. Um solchen Unzufriedenheiten vorzubeugen, muss im Designprozess kommuniziert werden.

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Designprozess: dritte Entwicklungsstufe / Redesign eines Logos

Wir gingen also offen, auch für eher grundlegendere Änderungen, in die dritte Entwurfsrunde hinein. Mit Abschluss der dritten Entwurfsphase konnte dem Kunden nach Weihnachten 2013 der überarbeitet Logo-Entwurf (Abbildung rechts) vorgelegt werden. Jetzt war alles, „wie es sein soll“. Unser Kunde fühlte sich verstanden und ist mit dem neuen Logo nach Abschluss des Designprozesses rundum zufrieden. Design braucht einfach Kommunikation!
Weitere Corporate Design – Lösungen für unseren Kunden Tali bei den Referenzen auf unserer Website.

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Hier gehts zu unserem Kunden Tali. Derzeit arbeiten wir an einem Redesign des Online-Shops. Bald berichten wir in Praxisnähe vielleicht auch über diese Arbeit =)