Am 25. Mai 2014 sind Europawahlen und nach und nach sind die Parteien nun in den Kampf mit den Plakaten eingetreten. Es ist ja Wahlkampf.

Die Parteien, große wie kleine, werben um Stimmen für den Einzug und um Sitze im EU-Parlament. Plakate bekommen wir in besonderem Maße von den großen Parteien zu sehen. Immerhin ist es teuer, in hoher Anzahl Werbeplakate zu entwerfen, zu vervielfältigen und zu verteilen. Dafür haben meist nur die Großen Geld, namentlich und mittels der Parteienfinanzierung etwa SPD, CDU, die Grünen und wie sie alle heißen.

Dieser Tage berichten Viele über besagte neue Plakate. Zeitschriften und Magazine kritisieren. Sie vergleichen. Sie Analysieren. Ebenso sinnieren Blogger über die Werrbematerialien, Moderatoren in Radiosendungen und sicherlich eine Menge Besucher von Stammtischen und Co. ReadMe will einmal versuchen die Parteien hinter den Plakaten aus einer Analyse rauszuhalten. Aus Designersicht wird quasi unvoreingenommen das „gestalterische Machwerk“ begutachtet, demnach gehen wir nach rein gestalterischen Gesichtspunkten vor. Davon wird abgeleitet, was uns Betrachtern wohl vermittelt werden soll bzw. was wir den Plakaten, schauen wir einmal etwas genauer hin, alles so entnehmen können. Die Parteien an sich sollen hier nicht interessieren und schon gar nicht, was ReadMe von Ihnen und Ihrer Politik hält. Es gibt ohnehin genug andere Quellen, die Wahlkampfplakate stets in Zusammenhang mit den jeweiligen Parteien, ihrer Politik, ihren Aussagen und Versprechungen stellen.

Los geht’s mit der SPD

Alle paar Tage veröffentlichen wir hier auf ReadMe unsere Überlegungen zu den Wahlplakaten einer Partei. Beginnen wir in unserer Analyse heute doch mit den Plakaten der SPD. Vielleicht kommen sie an erster Stelle, weil es zu ihnen nicht wirklich viel zu sagen gibt – auf den ersten Blick zumindest.

In dieser Plakatreihe der SPD wird auf Bildmarken, Fotos und Grafiken gänzlich verzichtet (wenn man von dem eher unauffällig platzierten Logo der SPD einmal absieht) . In großen Lettern nimmt ein kurzer Text auf allen der fünf hier gezeigten Plakate ca. die Hälfte der Fläche ein – mehr oder minder zumindest. Das kann man so machen. Vor allem, wenn die gemachte Aussage im Vordergrund stehen soll.

Plakatdesign der SPD

Drei Plakate der SPD für den EU-Wahlkampf 2014

 

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Zwei Plakate der SPD für den EU-Wahlkampf 2014

Wir gehen davon aus, bei diesen Plakaten soll die Textaussage im Mittelpunkt stehen.

Wenn die jeweilige Aussagen so wichtig ist, wäre es jedoch ratsam gewesen auf die Plakate mit den Farbflächen gelb und türkis (im oberen Bild) im Hintergrund zu verzichten, da der Kontrast zur weißen schmalen Schrift nicht sonderlich hoch ist. Natürlich hätte auch die Schriftfarbe auffälliger gestaltet werden können. Aber so wurde hier auf Fernwirkung verzichtet; leichtfertig wie es scheint. Eine Menge Aufmerksamkeit geht mangels guter Fernwirkung verloren. Das Plakat fällt nur dem Betrachter in unmittelbarer Nähe auf. Besser gewählt sind die Kontraste bei den übrigen drei hier gezeigten Plakaten.

Die Schrift

Es wurde ein Font mit klaren und sauberen Formen für die Werbeaussage verwendet. Aber auch hier zeigt sich, dass die Fernwirkung der Plakate nicht sonderlich berücksichtigt worden ist, da die schmalen Linien dieser Schrift in der Ferne verschwimmen. Ein anderer Schriftschnitt, etwa in Bold oder Semibold, hätte da ohne weiteres Abhilfe schaffen können. Hier kann man nur vermuten, dass der schmale Schnitt der Schrift zum Einsatz kommt, um zurückhaltend zu wirken. Wer seriös, oder lieb, oder gar ordentlich rüberkommen mag, der kann mit dieser Schrift sicher nicht falsch liegen. Ob sie aber die erste Wahl für ein Plakat ist, wollen wir bezweifeln.

Auch die Anordnung der Schrift ist nicht sonderlich ausgefallen. Ein bis zwei Sätze. Sie stehen so da. Einfach so. Spannend ist das Ganze wahrlich nicht. Und mehr noch. In der Gestaltung wird so sehr auf Extras, Feinheiten oder gar Liebe zum Detail verzichtet, dass der Eindruck von Nachlässigkeit entsteht. Typografisch wurde schon fast schlampig gearbeitet. Die Textzeilen schließen rechts niemals bündig ab, was eine unnötige Unordnung bewirkt. Gerade bei den gewählten Inhalten wäre es ein Leichtes gewesen, sauber und bündig und zu arbeiten. Begleitet wird die unsaubere Arbeit von einer ebenfalls unnötigen Unterschneidung der Buchstaben, sprich die Abstände zwischen den einzelnen Lettern sind äußerst eng. Die gute Lesbarkeit leidet unter diesem Umgang mit den Buchstaben. Das Plakatformat bietet eigentlich genug Raum, großzügiger mit Worten und Leerräumen umzugehen, was wiederum einen harmonischeren Gesamteindruck entstehen ließe.

Auf den bisher gezeigten Plakaten sind einzelne Wörter hervorgehoben, beispielsweise „Chancen“ oder „Menschen“. Besagte Wörter sind größer als der Rest des Textes geschrieben und auf eine ganze Zeile ausgedehnt. Das gewählte typografische Mittel ist im Rahmen einer Hervorhebung im Grunde gut. Doch letztlich kommt es hier so halbherzig zum Einsatz, dass die Wirkung verschwindend gering ist. Mit ein paar mehr Handgriffen und etwas stärkeren Größenunterschieden hätte ein viel größerer und lebendigerer Effekt erzielt werden können.

Neben der hier betrachteten Plakatreihe der SPD sind inzwischen auch weitere Plakate für die Europawahl 2014 in Umlauf, siehe Plakatübersicht.

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Plakatübersicht der SPD für den EU-Wahlkampf 2014

Hier kommen zusätzlich Fotografien zum Einsatz und ein möglicher Grund für die oben bemängelte Anordnung des Textes könnte sein, dass die Texte der Plakatvariante mit Bildern einfach in der Variante ohne Bilder übernommen worden sind. Da muss man sich aus Sicht des Gestalters schon fragen, ob es an Zeit oder Geld im Rahmen der Plakaterstellung gemangelt hat. Wie es scheint wurde für unterschiedliche Formate in einem Abwasch die typografische Arbeit erledigt. Das geht eindeutig zu Lasten der Gesamterscheinung.

In der Plakatreihe mit Bildern kommen die Hintergrundfarben in Kombination mit anderen Texten zum Einsatz. Aber im Grunde wurde hier bloß das Format ausgetauscht, ein wenig der Kachelstil von Windows aufgegriffen (wird v.a. in der Übersicht deutlich) und typografische (Fein-) Arbeit vernachlässigt.

Die Farbwahl

Aber zurück zur Plakatreihe ohne Bildmaterial. Die Plakate sind alle mit unterschiedlichen einfarbigen Hintergründen ausgestattet. Prinzipiell ist das Herangehen nicht falsch, doch welcher gestalterische Hintergrund steckt hier wohl hinter? Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass ein Wahlplakat ganz sicher nicht zufällig und nicht im Vorbeigehen entsteht. Also, was steckt hinter den gewählten Farbflächen? Der Gedanke der Vielfalt? Ja, vielleicht.

Jedoch kann diese Plakatreihe auch Beliebigkeit evozieren. Immerhin wird der Gedanke der Vielfalt nirgends anders, und schon gar nicht deutlich artikuliert. Diese oder mögliche ähnliche Beweggründe, sollten sie zutreffen, wären so klein und zurückhaltend gewählt, dass sie einem Tropfen auf dem heißen Stein gleichkämen. Auf uns wirkt es eher so: der Werbende steht für nichts Bestimmtes. Und mehr noch, er will für nichts Bestimmtes stehen. Die einfach gehaltenen, verschieden farbigen Hintergründe wirken wie der misslungene Versuch, über die eigene Ideenlosigkeit hinwegzutäuschen. Vielleicht passt ja eben eine solche Gestaltung zu einer Partei wie der SPD, deren einstige Ideale, Konzepte und Farbe abhanden gekommen sind. Jedoch soll uns so etwas an dieser Stelle ja gar nicht interessieren =)

Halten wir besser fest: es scheint so, dass der Werbende sich nicht festlegen, und keine großen Aussagen tätigen will. Er wählt lieber eine simple Methode, indem er sich bedeckt hält, sozusagen getarnt, auf diversen augenscheinlich auffallenden Farben.

Der Inhalt

Hierzu nur ganz kurz: auf inhaltlicher Ebene findet sich ebenfalls ein zurückhaltendes Auftreten. Die Aussagen sind keine Forderungen oder Postulate. Vielleicht sind es Wünsche, möglicherweise Perspektiven der Wähler. Da kann man nur spekulieren, denn die Formulierungen sind unklar, was zur Lasten der Aussagekraft geht.

Fazit

Es bleibt aufgrund der gemachten Beobachtungen zu vermuten, dass der Werbende auf Zurückhaltung setzt. Diese Zurückhaltung wird in der Gestaltung so hoch geschrieben, dass der Verzicht auf Extras in teilweise unsaubere Arbeit mündet. Möglicherweise wurde bei diesen Plakaten krampfhaft versucht, nicht überkandidelt zu wirken. Doch um etwa bodenständig und unkompliziert daherzukommen, muss nicht auf gestalterische Feinarbeit verzichtet werden.

Wir können abschließend festhalten, dass die Wahlplakate der SPD für die anstehenden Europawahlen in bezug auf die transportierten Inhalte sowie in ihrer äußerlichen Darbietung konsequent sind. Das sind sie hinsichtlich Form und hinsichtlich Inhalt. Sie sind nämlich konsequent zurückhaltend und konsequent unklar. Dadurch bekommt das ganze einen unpolitischen Geschmack, was für ein Wahlkampfplakat nicht sonderlich von Vorteil ist. Es ist eben diese Zurückhaltung, die nach unserem Dafürhalten wesentliches Merkmal der betrachteten Werbematerialien ist und dadurch eindeutig unpolitische Plakate entstanden sind.

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