Erst nur lesbar, später auch beschreibbar. Die Rede ist hier von den ersten richtigen portablen Speichermedien – den Disketten und den dazugehörigen Diskettenlaufwerken. Die kleinen Magnetscheiben in eckigen Kunststoffhüllen und mit diesen instabilen Schutzschiebern haben in der Vergangenheit sicherlich viele von uns immer wieder verbogen und geknickt aus Taschen oder verkramten Schreibtischen hervorgezogen und mussten feststellen, verdammt, kaputt, nicht mehr lesbar!
Vor nunmehr 45 Jahren brachte IBM 1969 die erste Diskette inklusive Laufwerk auf den Markt. Dieses inzwischen antiquierte Speichermedium konnte wie gesagt erst einmal gar nicht zur Speicherung von Daten verwendet werden. Es brauchte weitere drei Jahre, dass ein Gerät auf den Markt kam, mit dem die neuen Disketten gelesen und auch beschrieben werden konnten. Natürlich dauerte es noch ein Weilchen, bis dieses System der Datenspeicherung beim gemeinen Computernutzer Anwendung finden konnte.
In den den 80er und auch in den 90er Jahren war es allgemein üblich auf Disketten zu speichern. Große Datenmengen konnten in dieser Zeit nicht ausgetauscht werden. Wie denn auch, wenn etwa eine 3,5″-HD-Diskette eines Amiga-Rechners bloße 1,76 MB fassen konnte.
Heutzutage ist wesentlich mehr Menschen der auch jüngerer Generationen die CD, später die SD-Karte oder der USB-Stick als Speichermedium geläufig – die Diskette hingegen viel weniger. Immerhin verdrängte zunehmend gegen Ende der 90er Jahre die CD die Diskette als Art der Datensicherung.

Auch wenn die Diskette als Speichermedium längst ausgedient hat, wird das Symbol der Diskette als Icon nach wie vor häufigt verwendet, um in grafischen Oberflächen von Programmen den Akt der Daten-Speicherung darzustellen.

Nehmen wir beispielsweise einen 14-Jährigen. Wahrscheinlich hat er niemals in seinem Leben eine Floppy-Disc in der Hand gehalten und wird auch nicht wissen, was eine Floppy überhaupt ist. Er wird nicht wissen, ob es die, das oder der Floppy heißt, doch er benutzt Tag ein und Tag aus das Symbol der Diskette als Icon, wenn er zur Datensicherung auf seinem Desktoprechner und tragbaren Geräten auf das kleine viereckige Symbol klickt. Natürlich gibt es auch Programme und Interfaces, die andere Wege gefunden haben, das Speichern zu symbolisieren. Dennoch scheint die Diskette als gängiges Icon noch nicht ausgedient zu haben. Wir haben es mit einem Symbol eines Mediums zu tun, das im Alltag keinem mehr begegnet und Jüngere noch nicht einmal mehr kennen dürften.

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Um nur ganz wenige Beispiel zu nennen: Textverarbeitungsprogramme wie Microsoft Word oder die entsprechende freie Software Open Office, Adobe Acrobat oder diverse Browser zum Speichern von Webseiten nutzen dieses besagte Disketten-Icon. Und es funktioniert, ganz gleich ob man mit der Diskette selber groß geworden ist oder mit dem Ding an sich gar nichts mehr anzufangen weiß. Es funktioniert, weil Interfaces lernbar sind. Bei der Diskette als Icon verhält es sich ebenso wie mit den Farben einer Ampelanlage. Rot, Orange und Grün haben im Kontext der Ampel eine eindeutige Bedeutung und bringen ein eindeutig daraus resultierendes Verhalten mit sich. Solche erlernten Symbole können genauso gut und einfach funktionieren wie automatische Symbole beziehungsweise sich selbst erklärende Zeichen und aufs wesentliche reduzierte Information wie etwa Piktogramme. Ein Symbol, das man aber immer mehr nur noch aus Interfaces kennt, funktioniert eben nicht, weil das eingesetzte Symbol intuitiv verstehbar ist, sondern nur noch, weil man es eben nur so kennt.

Vom Icon zum Symbol

Aber beleuchten wir das Disketten-Zeichen noch etwas näher: Computer-Betriebssysteme arbeiten schon seit geraumer Zeit und erfolgreich mit Icons, die als Metaphern funktionieren und gerne wird dafür der Alltag eines Büros herangezogen (Desktop-Metapher). Während der täglichen Arbeit am Computer legen wir Dokumente in Ordner, werfen Überflüssiges in den Papierkorb und legen Daten, auf die wir schnell mal zugreifen wollen auf dem Schreibtisch ab – all diese Aktionen sind oft in Betriebssystemen grafische Übersetzungen von alltäglichen Abläufen in einem Büro. So wie diese Metaphern funktionieren, so verhält es sich auch mit der Diskette als Icon für den Speichervorgang, zumindest so lange das Medium im Alltagsgebrauch geläufig war. Das Medium Diskette hatte eine ähnliche Funktion, wie das Icon der Diskette, bzw. ist das Icon stark angelehnt an die Funktion des Mediums selbst. Für das Papierkorb-Icon gilt das nach wie vor. Im Gegensatz zur Diskette kann es getrost auf das Hilfsverb war verzichten. Denn der Papierkorb ist heute, was er bereits vor 30 oder 40 Jahren war – schlicht und ergreifend ein Behältnis, in dem „Papiere“ und Dokumente entsorgt werden. Die Diskette hat hingegen an Bedeutung eingebüßt, da sie ja nicht mehr als Speichermedium verwendet wird. Gleiches gilt für das Icon der Diskette. Es hat sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte vom Icon zum Symbol gewandelt. Dieses Zeichen ist für immer mehr Menschen ein erlerntes, es hat oftmals „nur noch“ einen symbolischen Gehalt und keinen Bezug mehr zum Büro oder Gegenständen aus dem Alltag der Nutzer. Wie gesagt, dem täglichen Umgang mit diesem Zeichen schadet das nicht, da nicht zu unterschätzen ist, wie viele alltägliche Prozesse tatsächlich erlernt sind.

Dennoch ist die Frage zulässig und auch nicht ganz uninteressant, ob das Disketten-Symbol als Speichern-Symbol  etwas verstaubt ist, eindeutiger sein könnte und einfach genauso ausgedient hat. Wenn aus dem Symbol wieder ein Zeichen würde, dass kein Vorwissen bräuchte und von allen Usern intuitiv verstehbar wäre, dann müsste die Diskette etwas Neuem weichen. Der besagte 14-Jährige käme nur ohne erlernte Bedeutungen aus, indem ein Speichern-Icon entwickelt wird, das wieder mehr einer Metapher aus dem Alltag oder beispielsweise dem Büro abgeleitet ist.

Konkret: Neues Speichern-Icon

Denken wir aber einmal konkreter darüber nach, wie ein zeitgemäßeres Speichern-Icon aussehen könnte, stellt sich schnell die Frage, sollte eine solche Aufgabe wirklich konkret gelöst werden? Wäre es nicht auch eine Möglichkeit, vom Disketten-Icon eine reduzierte Abstraktion abzuleiten? Ist es nötig, das ein Zeichen für den Speichervorgang intuitiv verstehbar ist und ohne das so genannte Vorwissen? Geht das überhaupt? Sicherlich wird das gehen, hier wäre eine Design-Aufgabe zu lösen, die ganz bestimmt eine ordentliche Portion Denkschmalz mit sich brächte. Herangehensweisen und Lösungsansätze gibt es unserer Meinung nach so einige. Und solche Überlegungen passen genau zu dem grade aktuellen Wettbewerb „Speichern unter“.

Die Macher des Wettbewerbs „Speichern unter“ (Stuttgarter Zeitung Wirtschaftsförderung Region Stuttgart) fragen wie ein zeitgemäßes Symbol für die Speichern-Funktion heutzutage aussehen könnte und rufen Profis wie Privatpersonen auf, ihre Vorschläge einzureichen. Das geht übrigens noch bis zum 30. September 2014. Hier geht es zur Startseite des Wettbewerbs „Speichern unter“.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und uns gefällt, dass der Wettbewerb dazu anregt, bestehende Metaphern auf den Prüfstand zu bringen und gesellschaftlich verbreitete Bildsprache zumindest einmal zu hinterfragen.

In unserem ReadMe-Beitrag Design als Prozess: Erstellung eines zeitgemäßen Icons für „Speichern unter“ probieren wir einmal einige mögliche Ansätze für ein neues Speichern-Zeichen aus, einfach um zu schauen, was uns zu diesem Thema alles so einfällt. Dabei war uns nicht in erster Linie das eine perfekte Ergebnis wichtig, das es so gar nicht gibt. Viel mehr ist für uns die „Denkarbeit“, sowie die Ermittlung verschiedener Lösungswege wichtig gewesen.

 

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